Studie zu den Beschwerden in Verbindung mit der spastischen Spinalparalyse sowie deren physiotherapeutische Behand-lung


Antragsteller:
Bernhard Heimbach, Assistenzarzt Neurologische Klinik und Poliklinik Hamburg-Eppendorf Martinistrasse 52 20246 Hamburg zusammen mit: Dipl. Psych. Stefanie Kraft Zentrum für Psychosoziale Medizin Institut und Poliklinik für Medizinische Psychologie am UKE Eppendorf

Ambulante Physiotherapie bei Hereditärer Spastischer Spinalparalyse (HSP)

Heimbach B, Kraft S, Winkler G, Sach M, Raji A, Koch U, Weiller C

Bei der HSP handelt es sich um eine neurodegenerative Erkrankung bei der klinisch eine progrediente spastische Paraparese im Vordergrund steht. Da eine ursächliche Therapie derzeit nicht zur Verfügung steht, kommt den symptomatischen Massnahmen eine besondere Bedeutung zu. Diese umfassen u. a. neben der Gabe von Spasmolytika und lokaler Applikation von Botulinumtoxin insbesondere Physiotherapie (PT) und einer am funktionellen Defizit orientierten Hilfsmittelversorgung.

Nach einem Fallbericht von Richardson und Thompson (1) bewirkt eine am funktionellen Defizit orientierte PT nicht nur die Reduktion des Leitsymptoms Spastik, sondern kann zusätzlich zu einer Funktionsverbesserung in den Bereichen der Mobilität und den Aktivitäten des täglichen Lebens beitragen und hat nach Beobachtung der Autoren darüber hinaus Einfluss auf Schmerz, Lebensqualität und persönliches Krankheitserleben. So wurde gezeigt, dass PT neben der Reduktion von Spastik und Minderung der Sturzhäufigkeit auch Rückenschmerzen und Erschöpfungszustände signifikant zu reduzieren vermag.

Bisher ist jedoch nicht bekannt, welche physiotherapeutischen Konzepte und Methoden sich am günstigsten auf den Erhalt motorischer Funktionen und Erwerbsfähigkeit, gemessen an den Rehabilitationskriterien der WHO (2), auswirken. Ebenso ist unklar, in welchem Umfang Lebensqualität und Krankheitsverarbeitung durch PT beeinflusst werden.

So verfolgt das Projekt "Ambulante PT bei HSP" im ersten Studienabschnitt das Ziel herauszufinden, in welchem Umfang und nach welchen Konzepten PT geleistet und wie deren Effektivität durch Betroffene beurteilt wird. Hierfür werden bei ca. 80 Patienten folgende Bereiche untersucht:

  1. Grad der Behinderung (Barthel-Index);
  2. Erfassung der Behandlungswünsche, Akzeptanz und Beurteilung der PT durch die Patienten bzgl. WHO-Kriterien: Impairment, Disability und Handicap;
  3. Lebensqualität (SF 36);
  4. Depression und Angst (HADS-D);
  5. Erfassung weiterer Therapien und Hilfsmittel

Auf der Grundlage der erhobenen Daten verfolgen wir in einem zweiten Studienabschnitt das Ziel nach Diskussion mit Betroffenen, Physiotherapeuten, Ärzten und HSP-Spezialisten, ein spezifisches Behandlungskonzept in Abhängigkeit vom jeweiligen Krankheitsstadium zu entwickeln. So ist eine Vergleichsstudie möglich, in der das neu entwickelte Behandlungskonzept gegen bisherige Behandlungskonzepte in einer prospektiven Längsschnittstudie wissenschaftlich untersucht wird.

Die Datenerhebung erfolgt mittels Fragebögen in einem Querschnittsstudiendesign.

Literatur: 1. Richardson D, Thompson AJ, Management of spasticity in hereditary spastic paraplegia, 1999,

Physiotherapy Research International, 4 (1)

2. Hummelsheim, Die Rehabilitation zentraler Lähmungen – eine Standortbestimmung, 1996,

Aktuelle Neurologie 23: 7 – 14

DAS VORLÄUFIGE ERGEBNIS

U.Koch und Dr. B. Heimbach